Familie Andreas Isaac

Kesselstraße 12

 NameVornameGeburtsdatum / OrtBeruf / FamilieSchicksalStolperstein
IsaacAndreas27.11.1854 in HoltenKaufmann / Ehemann von KarolineDeportation 21.07.1942 ab Düsseldorf, ermordet 30.08.1942 in TheresienstadtKesselstrasse 12
Isaac (geb. Spier)Karoline 11.03.1861 in KalkarEhefrau von Andreasgestorben am 10.07.1942 in Essen, dort auf dem Parkfriedhof beerdigtKesselstrasse 12
IsaacArthur24.10.1891 in KalkarSohn von Karoline und AndreasFlucht 1939 über England in die USA, gestorben am 12.10.1957 San FranciscoKesselstrasse 12
Isaac (verh. Wartensleben)Ernestine14.08.1893 in KalkarTochter von Karoline und Andreasheiratete am 7.12.1920 Bernhard Wartensleben und lebte in Bielefeld und Leipzig, Flucht nach Israel 1936, gestorben 05.01.1977 in New York
Isaac (geb. Rosenthal)Betty04.05.1892 in MayenEhefrau von Arthur und Mutter von Ruthgestorben am 17.10.1938 in Kalkar und auf dem jüdischen Friedhof beerdigtKesselstrasse 12
IsaacMax18.06.1895 in KalkarSohn von Karoline und AndreasDeportation 21.07.1942 ab Düsseldorf, ermordet 27.09.1942 in TheresienstadtKesselstrasse 12
IsaacJosef11.04.1899 in KalkarSohn von Karoline und AndreasFlucht 1940 in die USA, gestorben 18.10.1983 in New YorkKesselstrasse 12
Isaac (geb. Hans)Anna10.05.1907 in EssenEhefrau von JosefFlucht 1940 in die USA, gestorben 07.04.1983 in New YorkKesselstrasse 12
Isaac (verh. Willdorff)Ruth28.03.1927 in MayenTochter von Betty und ArthurFlucht 1.12.1938 in die Niederlande, interniert im Lager Westerbork, deportiert 1944 in das KZ Bergen-Belsen, nach der Befreiung Ausreise in die USA. Lebt in Palo Alto (Kalifornien)Kesselstrasse 12

Auf der Transportliste DA70 vom 21.7.1942 von Düsseldorf nach Theresienstadt finden sich die Namen von Andreas und Max Isaac.

 

Die Familie Andreas Isaac bewohnte das Haus in der Kesselstraße 12. Drei Generationen lebten dort unter einem Dach.

Andreas Isaac

Andreas Isaac, 1854 in Holten geboren, Kaufmann, und seine Frau, Karoline Isaac, geb. Spier  1861 in Kalkar geboren. Zusammen hatten sie vier Kinder: Arthur, Ernestine, Max und Josef.

Diese Rose lege ich nieder für Andreas Isaac. Er wurde nach Theresienstadt deportiert und am 30. 08. 1942 im Alter von 87 Jahren ermordet.

Karoline Isaac geb. Spier

Ich lege für Karoline Isaac diese Rose nieder. Karoline Isaac wurde kurz vor ihrem Tod dazu gezwungen, nach Essen zu ziehen. Dort verstarb sie 1942 im Alter von 81 Jahren.

Arthur Isaac

Arthur kämpfte im ersten Weltkrieg für „Kaiser und Vaterland“, wie 100.000 andere jüdische Soldaten auch. 1920 kehrte er aus russischer Kriegsgefangenschaft zurück und heiratete 1925 in Mayen seine Frau Betty, geb. Rosenthal. Bis 1933 betrieben sie dort ein Schuhgeschäft und siedelten dann nach Kalkar, wo Arthur als Teilhaber in das Geschäft Spier & Co. einstieg.

Ich lege diese Rose nieder für Arthur Isaac. Er konnte über England in die USA zu fliehen. Weil er als allein reisender Mann kein Kind mitnehmen durfte, musste er seine Tochter Ruth zurücklassen. Er verstarb am 12. 10. 1957 in San Francisco.

Betty Isaac geb. Rosenthal

Diese Rose lege ich für Betty Isaac, geborene Rosenthal, nieder. Nachdem Betty 1938 als jüdische Frau im Kalkarer Krankenhaus nicht die benötigte ärztliche Hilfe bekommen hatte, verstarb sie am 17.10.38. Sie wurde 46 Jahre alt und auf dem jüdischen Friedhof in Kalkar beerdigt.

Ernestine Isaac verh. Wartensleben

Ernestine, geb. 1893, zog schon früh aus Kalkar fort und heiratete 1920 Bernhard Wartensleben. Beide wohnten erst in Bielefeld und später in Leipzig, bevor sie Deutschland 1936 verließen und mit den beiden Kindern nach Israel flüchteten.

Max Isaac

Von Max, 1895 geboren, wissen wir, dass er zusammen mit seinen Eltern Andreas und Karoline 1942 nach Essen in ein „Altenheim“ kam. Es ist anzunehmen, dass es sich hierbei um ein sogenanntes „Judenhaus“ gehandelt hat. Ein Gesetz vom 3. Dezember 1938 verpflichtete jüdische Hauseigentümer, ihre Immobilien zu verkaufen. Sie wurden dann zwangsweise in andere Unterkünfte eingewiesen. Am 10.7.1942 starb Karoline und wurde auf dem Essener Parkfriedhof beerdigt. Nur elf Tage später wurden Andreas und sein Sohn Max von Düsseldorf nach Theresienstadt deportiert und dort ermordet.

Diese Rose lege ich nieder für Max Isaac. Max Isaac wurde 1942 nach Theresienstadt deportiert wo er am 27. 09. 1942 starb. Er wurde 47 Jahre alt.

Josef Isaac

Josef, das vierte Kind, flüchtete 1940 mit seiner Frau Anna, geb. Hans, in die USA nach New York, wo beide 1983 auch verstorben sind.

Für Josef Isaac lege ich diese Rose nieder. Ihm gelang 1940 die Flucht über England in die USA. In New York verstarb er am 18. 10. 1983.

Anna Isaac geb. Hans

Diese Rose lege ich für Anna Isaac nieder. Anna konnte mit Ihrem Mann Josef 1940 in die USA fliehen. Sie verstarb in New York am 07. 04. 1983.

Ruth Isaac verh. Willdorff

Mit sechs Jahren siedelte Ruth im Jahr 1933 mit ihren Eltern Arthur und Betty Isaac von Mayen in der Eifel nach Kalkar. Auch in Mayen gab es Ende 1932 schon Ausschreitungen und Boykotte gegen Juden, die Anfang 1933 mit Hitlers Machtergreifung noch weiter zunahmen. Auch in Kalkar wurden jüdische Geschäfte beschmiert. 1938 wird ein Schicksalsjahr für die dreiköpfige Familie. Da sich die Lebensumstände in Deutschland weiter verschlechtern, beantragen sie Ausreisevisa in die USA und bekommen diese auch. Die Ausreise ist geplant für Ende 1938 / Anfang 1939. Doch plötzlich erkrankt Betty schwer und stirbt am 17. Oktober 1938 in einem Kalkarer Krankenhaus an den Folgen einer Embolie. Ruth sagt später, dass der deutsche Arzt die Behandlung ihrer Mutter vernachlässigt hat. Die bereits genehmigten Visa sind durch den Tod von Betty ungültig geworden. Ein paar Tage später, in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 kommt es erneut zu Verwüstungen jüdischer Geschäfte, zudem wird auch die Synagoge niedergebrannt.

Arthur, letzter Vorsteher der jüdischen Gemeinde, wird genötigt, das Synagogengrundstück weit unter Wert zu verkaufen. Anschließend wird er, zusammen mit seinem Bruder Josef in das KZ Buchenwald gebracht. Beide können aber nach Vorlage eines Visums 1940 über England in die USA ausreisen.

Ruth flüchtet im Dezember 1938 (mit 11 Jahren) in die Niederlande und kommt bei Verwandten unter. Für den 11. Mai 1940, ihr Vater ist inzwischen in England, bekommt sie eine Schiffspassage nach England genehmigt. Das Schiff soll sie von Rotterdam nach Southampton bringen, jedoch überfällt die Wehrmacht am 10. Mai (also einen Tag vorher) die Niederlande. Die „Veenham“ wird bei dem Bombenangriff auf den Rotterdamer Hafen beschädigt und die Ausreise ist nicht mehr möglich.

Ruth wird daraufhin bei verschiedenen Familien in Holland versteckt, und übernimmt später, aufgrund ihrer Sprachenkenntnisse, auch Tätigkeiten für die Resistance (Widerstand). Ende 1943 wird sie verraten und verhaftet und in das Lager Westerbork gebracht. Von dort wird sie im Januar 1944 als sogenannte Austauschjüdin in das Frauenlager Bergen-Belsen deportiert. Sie ist 17 Jahre alt. Am 8. oder 9. April 1945 gehen 3 Zugtransporte von Bergen-Belsen mit dem vermutlichen Ziel Theresienstadt ab. Da aber die russischen und amerikanischen Fronten soweit vorgerückt sind, wird einer der Züge in der Nähe von Magdeburg von amerikanischen Einheiten gestoppt und die Gefangenen befreit. Ruth ist unter ihnen. Nach ihrer Genesung reist sie zu ihrem Vater Alfred nach San Francisco.

Ich lege diese Rose für Ruth Willdorff nieder. Sie ist die einzige Kalkarer Jüdin, die in einem Konzentrationslager den Krieg überlebt hat. Nach einem Aufenthalt im Lager Westerbork deportierte man sie in das KZ Bergen-Belsen. Sie wurde am 13.04.1945 von amerikanischen Truppen befreit. Durch die Strapazen im Konzentrationslager war sie schwer erkrankt und sie wanderte nach vielen Monaten der Genesung in die USA aus. Heute lebt die 92-jährige Ruth Willdorff in Palo Alto, Kalifornien.