Familie Oscar Schürmann

NameVornameGeboren/OrtGestorben/OrtSchicksal
SchürmannOscar03.01.1861 in Dinker28.02.1942 in Kalkarverstorben
Schürmann (geb. Spanier)Amalie (Malchen)14.11.1865 in Kalkar10.06.1942 Bendorf-Saynverstorben
SchürmannBernhard02.01.1900 in Kalkar30.11.1944 KZ Auschwitzermordet
SchürmannLina25.07.1901 in KalkarunbekanntFlucht
Strauss (geb. Schürmann)Martha27.08.1902 in Kalkar17.09.1943 KZ Auschwitzermordet
Baumann (geb. Schürmann)Selma16.03.1904 in Kalkar1942 Ghetto Lodzermordet
SchürmannSiegfried06.03.1906 in KalkarunbekanntFlucht
SchürmannMax28.09.1907 in Kalkar1943 Ghetto Rigaermordet

 

Auch wenn es in den uns bekannten Dokumenten einige Ungereimtheiten gibt, so ist im Großen und Ganzen das grausame Schicksal der Schürmanns bekannt.

Die Familie Oskar Schürmann betrieb im Haus in der Monrestraße 20 eine Metzgerei. Hier wurde selbst geschlachtetes Fleisch, welches in der Gasse „Spiegelstege“ (zwischen Monre- und Grabenstraße) in einem privaten Schlachthaus geschlachtet worden war, verkauft. Es wird berichtet, dass die jüdischen und die christlichen Metzger lange Zeit ein „lobenswertes Verhältnis“ zueinander hatten und im übrigen auch im selben Haus schlachteten. Nach Hitlers Machtergreifung, den Nürnberger Rassegesetzen, dem Aufruf zum Boykott jüdischer Läden, den Verwüstungen und Plünderungen und dem Beginn der systematischen Ausrottung der Juden, hatte sich dieses gute Verhältnis systematisch ins Gegenteil verkehrt. Kalkarer Bürgerinnen und Bürger, die die Juden nach 1938 unterstützten, mussten selbst massive Repressionen befürchten.

Oskar Schürmann war 1942 der letzte Jude, der noch in Kalkar lebte und hier mit 81 Jahren verstarb.

Man ist einigermaßen verwundert, wenn man über sein Schicksal nachdenkt, dass er die Stadt nicht verlassen hat. Oskar Schürmann musste miterleben, wie die Demütigungen der Juden immer schlimmer wurden, wie man sich nicht mehr trauen konnte bei ihm einzukaufen, wie letztendlich die unerträgliche Situation für die Juden in Kalkar dazu führte, dass seine Kinder aus der Stadt und aus Deutschland flohen, sofern sie die Gelegenheit dazu hatten.  Auch musste er 1938 mit ansehen, dass man seinen jüngsten Sohn in sogenannte „Schutzhaft“ nahm und dieser später ins Rigaer Ghetto deportiert wurde. Wie gesagt, als letzter jüdischer Bürger in Kalkar starb er am 28. Februar 1942. Ein Duisburger Jude, Willy Lode, der ab 1917 zwischenzeitlich als Kriegskind bei den Schürmanns gewohnt hatte, sorgte dafür, dass Oskar Schürmann drei Tage später in Duisburg beerdigt wurde.

Oskar Schürmanns Frau Amalie überlebte ihren Mann um ca. dreieinhalb Monate. Wo genau sie sich zum Zeitpunkt des Todes ihres Mannes aufhielt, ist nicht bekannt.  Dass Oskar Schürmann als letzter Jude geführt wurde, lässt vermuten, dass seine Frau zwischenzeitlich nicht in Kalkar war.

Klar ist, dass Amalie Schürmann, geb. Spanier, die das furchtbare Schicksal ihrer Familie, insbesondere ihrer sechs Kinder miterleben musste, zwei Monate nach dem Tod ihres Mannes vom Gesundheitsamt Düsseldorf dem Gesundheitsamt Koblenz gemeldet wurde.

Amalie Schürmann wurde unmittelbar nach der Meldung des Amtes in die Jacoby’schen Anstalten nach Bendorf-Sayn gebracht. Diese Anstalten waren Israelitische Heil- und Pflegeanstalten für Nerven- und Gemütskranke. Später wurden diese Anstalten von den Nationalsozialisten geführt.

Als Einweisungsgrund wird in den Unterlagen „senile Demenz“ angegeben. Auf dem Sterbedokument hingegen wird aufgeführt: Schädelbruch, Arteriosklerose, Geistesstörung sowie Herz- und Kreislaufschwäche.

Amalie Schürmann wurde auf dem jüdischen Friedhof der Jakobyschen Anstalten beerdigt.

Das Schicksal der sechs Schürmann Kinder ist uns ebenfalls zu weiten Teilen bekannt.

Bernhard Schürmann, geboren 1900 in Kalkar, war der älteste Sohn der Familie. Er war wie sein Vater Schlachter, und arbeitete, solange die Metzgerei geführt werden konnte, im elterlichen Betrieb. Er war „Schochet“ und durfte den sogenannten Schächt-Schnitt durchführen, der den  jüdischen Vorschriften entspricht. Nachdem das Arbeiten in Kalkar immer schwerer und schließlich unmöglich wurde, floh er in die Niederlande. Dort brachte man ihn in das Sammellager nach Westerbork. Von hier aus deportierte man ihn nach Auschwitz. Am 30. November 1944 wurde er dort ermordet.

Ebenfalls in Auschwitz ermordeten die Nationalsozialisten Martha Strauss, geborene Schürmann. Sie wurde 1902 in Kalkar geboren und im Alter von 41 Jahren, am 17. September 1943, umgebracht.

Ihre Schwester Selma Baumann, geborene Schürmann, ermordete man, gemeinsam mit ihrem Ehemann Max, im Ghetto von Lodz.

Zwei Kindern der Familie Schürmann gelang die Flucht nach Brasilien, nämlich Lina, der ältesten Tochter und Siegfried, der 1906 in Kalkar geboren wurde. Beide verstarben in Sao Paulo, die Todesdaten sind uns nicht bekannt. Auch über das Leben der beiden nach der Flucht wissen wir nichts. Allerdings ist bekannt, dass Lina Schürmann als selbstständige Schneiderin gearbeitet hat. In Neuwied hatte sie die sogenannte „feine Damenschneiderei“ gelernt und war nach Kalkar zurückgekehrt. Im elterlichen Haus hatte sie zeitweise bis zu zehn Näherinnen beschäftigt.

Der jüngste Sohn der Familie Schürmann, Max, geboren 1907 in Kalkar, war Bauarbeiter. Einen Tag nach der Reichspogromnacht, wurde in der Nacht zum 11. November 1938 die die Kalkarer Synagoge in Brand gesteckt und die jüdischen Geschäfte in Kalkar verwüstet. Am 17. November 1938 nahm man ihn in sogenannte „Schutzhaft“. Er wurde ins Konzentrationslager Dachau in der Nähe Münchens gebracht. Am 30.12. 38 entließ man ihn wieder. Drei Jahre später, am 11.12. 1941, wurde er dann ins von Kleve aus ins Ghetto nach Riga deportiert. Dort ermordete man ihn.